Eröffnung 1.000t Demoanlage - Co-reactive setzt neue Maßstäbe in der Bauindustrie
Co-reactive eröffnet in Erkrath eine 1.000-Tonnen-Demonstrationsanlage zur Herstellung CO₂-bindender Zementersatzstoffe und setzt damit einen wichtigen Schritt zur Skalierung klimafreundlicher Baustoffe aus NRW.

Eröffnung der 1.000 t Demonstrationsanlage in Düsseldorf mit Ministerin Neubaur
Die Zementindustrie ist für rund 8 % der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Ein Großteil dieser Emissionen entsteht bei der chemischen Umwandlung von Kalkstein und kann daher nicht allein durch den Einsatz erneuerbarer Energien vermieden werden. Genau hier setzt das Düsseldorfer Start-up Co-reactive an: Das Unternehmen hat eine innovative Technologie entwickelt, mit der Baustoffe hergestellt werden, die CO₂ langfristig binden. Diese Materialien können Zement in großen Mengen ersetzen, ohne Kompromisse bei der Festigkeit und Dauerhaftigkeit von Beton und anderen Baustoffen einzugehen - und ebnen so den Weg für eine Bauindustrie mit deutlich reduziertem CO₂-Fußabdruck.
Am 27. April lud Co-reactive zur Eröffnung seiner neu errichtete Demonstrationsanlage ein. Im November erst zog das Unternehmen aus der RWTH Aachen nach Erkrath bei Düsseldorf und geht jetzt an den Start dort jährlich 1.000 t des klimafreundlichen Baustoffes herzustellen, und dabei 300t CO2 langzeitstabil zu binden. Mitgründer und CEO Dr. Andreas Bremen sagte auf der Eröffnungsfeier: „Unsere Anlage zeigt ganz klar, dass klimafreundliche Technologien bereits heute Realität sind und wir so zukünftig enorme CO2 Einsparungen im Bausektor ermöglichen können.“ Die Besonderheit der Produktionsanlage liegt in der kontinuierlichen Prozessführung, mit der ein 24/7 Betrieb ermöglicht wird und gleichzeitig die eigens durch stattfindende Reaktionen erzeugte Abwärme effizient im Produktionsprozess genutzt wird. CTO Orlando Kleineberg beschreibt es so “Man kann sich die Umwandlung vom Rohstoff zum klimafreundlichen Baustoff so vorstellen: In einer langen Rohrschlange werden Ausgangstoffe wie Olivin oder metallurgische Schlacken in Wasser suspendiert und unter Druck mit CO2 versetzt. Das CO2 verbindet sich mit den Ausgangstoffen zu mineralischem Karbonat unter Freisetzung von amorphen Siliziumoxid, welches für zementäre Anwendungen entscheidend ist. Nach der Trocknung kann das feinkörnige Produktmaterial direkt für Mörtel- und Betonanwendungen verwendet werden.“
Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur ist vor Ort und hebt die Bedeutung der neuen Produktionsanlage von Co-reactive hervor: „Junge Unternehmer in NRW sind bereit die Bauindustrie zu dekarbonisieren. Die Politik steht in der Verantwortung, die Weichen für diesen neuen, wegweisenden Industriezweig zu stellen, der sich auf dem gesamten europäischen Markt etablieren kann. Gleichzeitig ist die bestehende Industrie gefordert, Verantwortung zu übernehmen und klimafreundliche wie wirtschaftliche Innovationen aufzugreifen und umzusetzen.“ Einige dieser Baustoffunternehmen sind auch vor Ort: Dr. Michael Fooken, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Sievert Baustoffe SE & Co. KG erklärt in seiner Rede: „ Wir müssen dringend den Bausektor klimafreundlich gestalten. Sievert wird das für seine Baustoffe ungebremst umsetzen, unabhängig von den Zickzackkursen, die gerade in manchen anderen Bereichen gefahren werden. Co-reactive’s Baustoff ist ein wichtiger Schlüssel hierzu.“
Das Startup denkt schon weiter: langfristig sollen Produktionsmaßstäbe von mehreren Millionen Tonnen Baustoff erreicht werden, wodurch ebenso Millionen Tonnen CO2 gespeichert werden. „Wir schaffen aus CO2 Werte und bieten eine echte wirtschaftliche Alternative zu bisher kostspieliger Speicherung von CO2 unter der Erde ohne ökonomischen Mehrwert. Das Ziel ist klar: Wir skalieren die dringend benötigten klimapositiven Baustoffe aus NRW, für Deutschland und Europa“, betonen die drei Gründer Andreas Bremen, Orlando Kleineberg und Willi Peter.


